Zur Rezipierbarkeit der Homepage

Version: 31.3.2020

Das Motiv und seine Korrelationen wurden in die Startseite der Homepage aufgenommen, um auf die Komplexität dieser Publikation zu verweisen. Es sollte mit diesem zentral positionierten Motiv verhindert werden, dass die Rezeption auf eine bloße Wahrnehmung von Schlagwörtern, Begriffen etc. reduziert wird, wie dies heutzutage in der Internet Kommunikation üblich ist und von den traditionellen Medien schon von jeher praktiziert wurde. Und der Verweis auf die Komplexität korrespondiert auch mit der Schreibweise, die über Jahrzehnte entwickelt wurde – auf der Basis von Studien zur Geschichte von Zeichen, Wörtern, Grammatiken, Kommunikationsstrukturen, Sprachen.

Dieses Motiv betrifft insbesondere das Nachdenken über den Tod, das seit dem Beginn des Jahres 2020 einen neuen Stellenwert in der Öffentlichkeit in Österreich und der Welt erhalten hat. Im Zentrum stehen fragwürdige Statistiken und bedenkliche Szenarien, die auf diesen aufbauen. Das Sterben, das nur zögerlich zu Veränderungen beim Rauchen, bei der Verwendung von Autos, der Verhinderung von Hungertoten, den Lebensgefährdungen durch Klimaveränderungen, der Verhinderungen von Gewalttaten und Kriegen und durch sie bewirkte Massensterben geführt hat, bekommt im Kontext einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise eine prinzipiell neue Bedeutung. Tausende sterben jedes Jahr allein in Österreich an der Grippe, zehntausende in den Spitälern. Aber nun hat der Tod durch Corona im Kontext einer Wirtschafts- und Militärkrise bewirkt, dass Ausnahmezustände verhängt, nicht nur Polizei, sondern im Zivilleben sogar Militär eingesetzt wird. Noch konnte sich in Ungarn keine Diktatur (ein Regieren per Dekret) durchsetzen (schrieb ich am 29.3.). Und nun ist die Ausschaltung des Parlaments in Ungarn beschlossen (30.3.).

Die Annahme war immer, dass offene Kommunikation das Beste für eine Entwicklung einer Gesellschaft ist. So stand am Beginn der Verbreitung des Virus die Unterdrückung der Information. Nun bei der Bekämpfung des Virus spielt Information eine zentrale Rolle. Und die Fehler – wie die Formierung der Wissenschaft – werden nun evident.

Das Motiv steht aber auch im Kontext meines Studiums von Leben, Werk und Zeit von Jura Soyfer (1912-1939), der mit 26 Jahren im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben kam, seit den 1970er Jahren. Da geht es nicht nur um Widerstand und Sterben in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald, sondern auch um die Geschichte des Todes, um das heutige Sterben von Freunden im Kampf mit Verwaltungen, das sich unbemerkt vollzieht. Das war ein Teil der öffentlichen Nicht-Wahrnehmung, der Ignoranz des Todes.

Auf dem Ölbild sind zu sehen: ein Totenkopf, ein Teddybär, ein Schal. Das Bild hat zu tun mit Liebe, mit einem Sterben eines jungen Menschen – des Malers. Es ist verbunden mit den Geschichten von Menschen, die Gewalt erlebt und Gewalt ausgeübt haben. Und es ist verbunden mit Texten über Tote, Ermordete.

Da ist nicht nur das Entsetzen festzustellen, das über die Filme von Konzentrationslagern herrschte, sondern auch die Gleichgültigkeit gegenüber diesen Toden, das Gefühl der Macht des Überlebenden (Canetti), der Macht im Angesicht dieser Toten, der Ermordeten.  In meinen Studien, Ausstellungen, Filmen spielte das Grauen eine Rolle Und die gesellschaftlichen Veränderungen, die sich vollzogen haben im Umgang mit Grauen und Tod. Daher wäre über den Umgang mit Tod und Toten im Angesicht von Corona auch neu nachzudenken. Denn offenbar findet ein kultureller Umbruch statt.

Das Ölbild hat auch zu tun mit Menschen, die starben als ich jung war und deren Tod mich sehr berührt hat, weil ich sie geliebt habe. Es hat zu tun mit den Toten in Chile, auf die ich durch eine Performance in den Seeanlagen in Bregenz in den 1970er Jahren aufmerksam wurde. Es hat zu tun mit dem Terror in Österreich und Deutschland gegen politische Bewegungen, die sich eine neue, gerechte Welt voller Liebe erträumt haben und in ihrer Liebe auch getäuscht wurden, wie das Stück Astoria von Jura Soyfer zeigt. Dieses Ölbild ist verbunden mit meinen Studien zur Geschichte des Todes, des Selbstmordes, des Grauens, des Unrechts, der Armut und der Veränderungen, der Revolutionen. Das Motiv stellt einen Kontrast zu den Bemühungen dar, die mein Leben bestimmt haben: die Liebe, der Versuch, gemeinsam notwendige Veränderungen zu erreichen. Es steht im Kontrast zu meinem Werk, das Tausende von Seiten umfasst und in Fragmenten in über 40 Sprachen übersetzt vorliegt. Und zu Anträgen und Abrechnungen mit ebenfalls Tausenden von Seiten im Kampf um das Überleben.

Die Verwendung des Motivs führte aber nicht nur dazu, dass die Suchmaschinen falsche Zuordnungen unternahmen (siehe: Startseite: Die Arbeitsweise), sondern auch Verwaltungen so wie all jene, die im Schema von 0 und 1 denken und eine Nicht-Zuordenbarkeit in diesem Sinne als Kriterium für eine Abwertung verwenden und sich damit selbst abwerten, in ihrer Hässlichkeit offenbaren.

Eine derartige schematische Rezeption auf der Basis von 0 und 1 ist eindeutig gegen die Traditionen des Verständnisses von Künsten und Wissenschaften spätestens seit dem 18. Jahrhundert in Europa gerichtet. Umberto Eco schrieb dazu das Buch „Kant und das Schnabeltier“. Aber dieses Denken in Kategorien, in Numerik entspricht auch einer heutigen – völlig unreflektierten – gesellschaftlichen Digitalisierung, zu der sich in TRANS 23 mein Eröffnungsreferat zu einer internationalen Konferenz im März 2018 an der Universität Oran 2 finden lässt. 0 und 1 entsprechen nicht dem Menschsein. Die Aktualisierung von TRANS 19 verweist auf Neues.

Eine Interpretation der Homepage im Sinne dieses Denkens von 0 und 1 wird daher nicht zu einem Ergebnis führen, das die Erkenntnisse erschließt, die mit dieser Homepage zugänglich gemacht werden sollen. Die realen Ergebnisse der Suchmaschinen widerlegen die angeblichen Möglichkeiten der Numerik sowie der Algorithmen und aller Konstruktionen von Künstlicher Intelligenz, die darauf basieren. Vielmehr offenbaren sie die Lächerlichkeit, der sie in Comics immer wieder ausgesetzt sind.

Einige Detailinformationen zu den Bildern:

Herbert Arlt (1928-1955) ist der Onkel von Wiss. Dir. Dr. Herbert Arlt (geb. 1958). Dem Onkel wurde von der Berufsvereinigung der bildenden Künstler Vorarlbergs im Künstlerhaus Palais Thurn und Taxis in Bregenz vom 6. Mai bis 4. Juni 1989 eine Gedächtnisausstellung gewidmet. Zum 50. Todestag folgte eine Ausstellung vom 26. November 2005 bis zum 8. Jänner 2006 im Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz. Der Herausgeber des Ausstellungskataloges war Helmut Swozilek, der damalige Direktor des Vorarlberger Landesmuseums. Univ.Prof.Dr. Walter Methlagl (Hall in Tirol) hatte sich über Jahrzehnte nicht nur um die Sammlung, Sicherung und Präsentation der Bilder verdient gemacht, er hatte auch die Redaktion des Kataloges von 2005 inne.

Homepage Motiv: Diese „Bären-Seite“ korrespondiert mit der „Bären-Seite“ von Elfriede Jelinek: http://www.elfriedejelinek.com/ Das Bild von Herbert Arlt (1928-1955)  ist zwar wesentlich älter, verweist aber auf den Grundzusammenhang zwischen dem Homepage Motiv bei Elfriede Jelinek und ihrem Werk, das auch ein Werk eines Kindes der Toten ist, dem sich der Herausgeber dieser Homepage seit den 1980er Jahren verbunden fühlt.

Dazu gibt es veröffentlichte und nicht veröffentlichte Beiträge. Zu den nicht veröffentlichten Beiträgen zählt ein Vortrag an der Frauenuniversität in Seoul zur österreichischen feministischen Literatur vom Jahre 2001. Zu den veröffentlichten Beiträgen gehört ein Aufsatz im Rahmen meiner Habilitationsschrift zur österreichischen Literatur, die ich zurückzog, weil niemand habilitiert wurde, der von außerhalb kam. (Nach meiner Kenntnis waren es seinerzeit 10 Anträge, die scheiterten. Heute scheinen die Formalisierungen verbessert worden zu sein, aber die Ignoranz ist nach meiner Erfahrung dieselbe geblieben.)

Auf diese Verbundenheit mit Jelinek verweisen Beiträge zur Konferenz in Ragusa, die in TRANS 21 herausgegeben werden, ebenso ein zentraler Jelinek-Text zum Mittelmeer: Wut. Aber auch ein Text für den 4. Oktober 2018 ist relevant: https://www.elfriedejelinek.com/ Er steht im Kontext der Auseinandersetzungen mit Straßen, Medien, Kunst. Es folgte das Burgtheaterprojekt Schwarzwasser.

Das ist ein anderer Ansatz im Umgang mit dem Werk von Jelinek als eine Germanistik der Zerredung, eine Legitimation der Lächerlichkeit (Landesliteraturarchiv Franz Nabl), als eine Verneinung der Poesie (Peter Handke als Medienkonstrukt und Verneinung der Notwendigkeit der Medienkritik durch Kunst und Wissenschaft), als ein Vergessen in der Skandalisierung (Horowitz).

In diesem Sinne wird auch nicht von mir versucht, die Bilder, die Korrelationen zu vereindeutigen, in dem zum Beispiel Informationen zur Geschichte des Bären vom Bild von Herbert Arlt (1928-1955) gegeben werden, die durchaus mit österreichischer Geschichte zu tun haben, da dieser Bär kein beliebiger Bär ist. Es geht um mehr als das, was auf eine Schlagzeile reduziert werden kann. Es geht in diesem Sinne auch um die Verteidigung von Sprachen, Literaturen, Künsten, Wissenschaft, Forschung  im Tomorrowland, das eben nicht aus 0 und 1 konstruiert werden kann.

Zu Alternativen gibt es andere Motive und Projekte – auch im Rahmen dieser Homepage. Das Weltprojekt der Berge ist zum Beispiel ein solches Projekt. Es geht eben nicht um Klettern als Herausforderung des Todes, sondern um Berge als Teil menschlicher Kultur. Dem Quantenprojekt liegt die Frage nach dem Einheit des Widerspruchs zugrunde, woraus sich Vorschläge zu neuen Formen der Analyse und der Kommunikation entwickeln. Im Jura Soyfer Projekt zeigt sich die Liebe von Menschen, die es ermöglicht haben, dass die Nationalsozialisten ihr Ziel durch den Tod Jura Soyfers nicht erreicht haben. Das zu verstehen, ist ein wichtiges kulturelles Element als Basis für heutige menschliche Solidarität. Das ist ein Gegenbild zur Verszeile von Jura Soyfer „Wir sind die Nummer am Katasterblatt“. So wie auch sein Leben ein Gegenentwurf war, zu einer Nummer degradiert zu werden. In diesem glaubhaften Gegenentwurf, in seiner Rezipierung weltweit, offenbart sich die Niederlage des Nationalsozialismus und auch anderer Gewalt- und Kriegsmodelle.

Erste Version: 1. Mai 2016
Weitere Versionen: 25.9.2017, 10., 11.6., 28.9.2018, 28.1., 24., 26, 29.3.2020